Mit 39 von 83 Sitzen wird die AfD die stärkste Fraktion im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt. Zur absoluten Mehrheit fehlen ihr drei Mandate. Bei der Wahl am 6. September erhielt sie nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis 43,8 Prozent der gültigen Zweitstimmen. Muslimische Gemeinden betrifft dieser Erfolg besonders: Die AfD will die öffentliche Ausübung ihres Glaubens einschränken.
Die übrigen fünf Parteien kommen zusammen auf 44 Sitze. Ob daraus eine Regierung entsteht, ist mit dieser Rechnung noch nicht beantwortet. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent.
| Partei | Zweitstimmen | Sitze |
|---|---|---|
| AfD | 43,8 % | 39 |
| CDU | 17,2 % | 15 |
| SPD | 9,3 % | 8 |
| Grüne | 8,9 % | 8 |
| Die Linke | 8,6 % | 8 |
| BSW | 5,3 % | 5 |
Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Die Behörde gab diese Einstufung im November 2023 bekannt.
Moscheen und Gemeindeleben im Parteiprogramm
Im Regierungsprogramm der AfD geht es unter anderem um Minarette, Muezzinrufe und auffällige Moscheebauten. Die Partei lehnt diese Formen öffentlicher Sichtbarkeit ab. Sie erkennt zwar an, dass die Religionsfreiheit auch für Muslime gilt, will islamischen Einfluss aber im rechtlich zulässigen Rahmen begrenzen. Nachzulesen ist das auf den Seiten 65 und 66.
Auf Seite 99 schlägt die AfD außerdem ein außeruniversitäres Landesinstitut für kritische Islamforschung vor. Es soll islamische Gemeinschaften beurteilen und die Politik beraten. Für Gemeinden wäre damit auch die Frage verbunden, wie unabhängig ein solches Institut arbeitet und ob sie selbst mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen.
Für eine Moscheegemeinde haben solche Vorhaben einen sehr praktischen Bezug. Wer neue Gebetsräume braucht oder ein bestehendes Gebäude umbauen möchte, ist auf verlässliche Entscheidungen der Behörden angewiesen. Ein Minarett oder die Gestaltung einer Fassade kann dabei zum politischen Streitfall werden. Das Parteiprogramm ist allerdings noch kein Gesetz. Welche Forderungen umgesetzt werden, hängt von der künftigen Regierung, parlamentarischen Mehrheiten und rechtlichen Grenzen ab.
Es geht auch um Zugehörigkeit
Bereits vor der Wahl sprach Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş, diesen Punkt an. In einer Erklärung vom 4. September sagte er: „Es geht um die Frage, ob Musliminnen und Muslime als selbstverständlicher Teil dieses Landes anerkannt und gleichbehandelt werden.“ Mete begründete das gesellschaftliche Engagement von Muslimen auch mit islamischen Vorstellungen von Gerechtigkeit und Verantwortung für das Gemeinwohl.
Auch Jugendangebote und Seelsorge können auf die Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen angewiesen sein. Dabei macht es einen Unterschied, ob eine Gemeinde als Gesprächspartner ernst genommen wird.
Die Religionsfreiheit und das Recht auf Gleichbehandlung gelten unabhängig vom Wahlausgang. Gemeinden dürfen ihren Glauben gemeinschaftlich ausüben und ihre Angelegenheiten innerhalb der allgemeinen Gesetze selbst regeln. Auch eine neue Landesregierung bleibt daran gebunden.
Wie sich der Wahlerfolg der AfD im Gemeindealltag auswirkt, wird sich an konkreten Entscheidungen zeigen: etwa beim Umgang mit Bauanträgen oder bei der Förderung von Gemeindearbeit. Eine muslimische Gemeinde muss sich darauf verlassen können, dass ihr Anliegen nach denselben Regeln geprüft wird wie das anderer Religionsgemeinschaften. Daran wird sich die kommende Landespolitik messen lassen müssen.
Quellen
- Landeswahlleiterin: vorläufiges Wahlergebnis und Sitzverteilung, Datenstand 7. September 2026.
- AfD Sachsen-Anhalt: Regierungsprogramm 2026, S. 65–66 und 99.
- Innenministerium Sachsen-Anhalt: Einstufung des AfD-Landesverbandes.
- IGMG: Erklärung von Ali Mete, 4. September 2026.